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Anmaßung oder Idealzustand?

Glaubst Du alles, was man Dir erzählt?

Was passiert in Dir, wenn Du eine Geschichte hörst?

Was weißt Du, über den Turmbau zu Babel?

Keine Angst, wir machen hier keine alternative Geschichte, nur eine Fingerübung in kritischem Denken.

Die Grundzüge der Geschichte, wie ich sie als Kind gelernt habe, geht so: einst waren die Menschen vermessen, sie wollten einen Turm bauen; so hoch, dass er bis in den Himmel  reichte. Das aber fand Gott anmaßend und las laut Theologen darin den Versuch der Menschen, Gott gleichzukommen.
Kurz, die Menschen waren zu stolz und forsch, es stand zu befürchten dass sie alles versuchen würden, was ihnen in den Sinn kam; weshalb Gott der Menschen Sprachzentrum verwirrte, so dass sie nun in vielen Einzelsprachen redeten und die gemeinsame Ursprache verloren hatten. Das verhinderte eine effektive Kommunikation und brachte das Turmprojekt zum Stillstand.

Die Moral von der Geschichte (das darunter liegende Narrativ):
Du darfst nicht zu viel wollen und muck nicht auf. Halte den Kopf unten und tu was Dir gesagt wird. Lebe demütig nach den Regeln, die Dir vorgesetzt werden.

Gerade war ich wieder im Rijksmuseum in Amsterdam, wo die Rotterdamer Version des „Turmbaus zu Babel“ (um 1565) von Pieter Bruegel d.Ä. gerade ausgestellt wird. Der hatte übrigens richtig was für Hieronymus Bosch übrig, faszinierend.
Da ich dank des intensiven Trainings durch Menschen, die auf Schritt und Tritt alles herumdrehen und umdeuten (#gaslighting) habe ich einen Hirn-Entknotungs-Mechanismus entwickelt, der holprig dargestellte Sachverhalte in eine logischere Reihenfolge bringt. Danke, liebes Gehirn.

Lass uns die Geschichte des Turmbaus zu Babel mal neu sortieren:

Einst waren die Menschen EIN Volk; ihr oberstes Leitbild war es, ein gesundes Kollektiv zu formen und einander zu verstehen, sie* SPRACHEN EINE SPRACHE* (sie sorgten dafür dass jedeR gehört und verstanden wurde). Durch diese außergewöhnliche  Verbundenheit war es ihnen möglich, die unwahrscheinlichsten Projekte durchzuziehen, und sei es ein Turm, der bis in den Himmel ragte. Diese Stadt, Babel; war der Nabel der Welt, jedeR war willkommen und fand seinen oder ihren Platz darin. Babel stand für sehr, sehr lange Zeit und wuchs dabei stetig und langsam weiter, ein blühendes Zentrum und Zuhause.
Allerdings begann es, dass Anmaßung und Stolz sich breit machten. Manche innerhalb dieser Menschengruppe fingen an, sich für etwas besseres zu halten, über andere zu urteilen und neue, teilende Regeln einzuführen. In dieser Spaltung war es der alles verbindenden Lebensenergie (Gott) nicht mehr möglich, alle zu durchfließen, der Fluss war durchbrochen. Aufgrund von Hybris und allgemeiner Anmaßung wurde die Fähigkeit, einander wirklich zu verstehen und so konnte der Turmbau nicht mehr fortgesetzt werden, die Menschen hatten sich gespaltet und formten nun Untergruppen. Weil sie mehr darauf bedacht waren, sich abzugrenzen, als Gemeinsamkeiten zu finden, formten sich bald regionale Dialekte und dann linguistische Sprachen.

Die Erzähllinie „Mensch will zuviel, Gott watscht ihn ab“ wiederholt sich in vielen Kulturen; die griechische hat ein paar die ich äußerst unterhaltsam finde.  

Gott lese ich als DIE lebenspendende Energie im Universum, die alles und jeden miteinander verbindet. Wie könnte die durch einen Turm gefährdet werden? Gegeneinwand: tatsächlich, wenn Menschen alles tun würden, was ihnen in die wirren Köpfe fällt, wäre das auch nicht optimal (Neuralink, Klonen, genetisch veränderte Organismen, Atombomben; es gibt ja ein paar Beispiele von nicht ganz so einfachen Ideen).

Ohne eine vereinende Sprache kann nicht kooperiert werden, das geht über nationale Sprachbarrieren hinweg. Beispiel: mit meinem Ex-Mann, mit welchem ich nicht nur die Muttersprache, die soziale Herkunft als auch eine nahezu identische Ausbildung teile, war es nicht möglich, einander zu verstehen; wir versuchen es seit zwei Dekaden. Die Sprache reicht hier einfach nicht aus.
Mein „Hauptmann“, der jetzige und richtige hat eine andere Muttersprache, eine andere soziale Schicht, eine komplett andere Bildungslaufbahn und wir kriegen es immer in kürzester Zeit hin, auf einen Nenner zu kommen.

Ich habe es oft genug erlebt, dass Menschen, die als „schwierig“, „unerreichbar“ oder „mit der kann man nicht reden, die spinnt“ bezeichnet wurden, sehr wohl erreichbar waren; es hatte sich nur niemand die Mühe gemacht, hinzuhören.

Was ist, wenn wir es schaffen, ordentlich miteinander zu sprechen, wir nahezu alles erreichen könnten, was wir uns als Kollektiv wünschen? Im Gegensatz zu „allem was einem in den Kopf kommt“, was wir uns als Kollektiv wünschen. Erstes ist wieder Egomanie, Hybris, Geltungsbedürfnis, Profilneurose, letzteres beinhaltet Aushandlungsprozesse, gemeinsame Entscheidungen für das Allgemeinwohl welches das Kollektiv voranbringt.

Wir könnten jetzt hier debattieren, ob eine östliche Zivilisationsform „Gemeinschaft ist das Wichtigste“ oder eine westliche „das Individuum im Zentrum“ anstrebenswerter ist, vllt. machen wir das in einen neuen Blogartikel, das passt gut mit dem Thema Narzissmus und Totalitarismus zusammen.

Hier soll zunächst die Umdeutung einer alten Geschichte wirken dürfen, besonders vor dem Hintergrund aktueller Probleme. Hier wieder O-Ton meiner Tochter (14) wann immer sie Nachrichten-Kontakt hat: „Warum können die das nicht klären?“
Meine Theorie: das „wir-gegen-die“-Paradigma. Die deutliche Unterscheidung, wer dazu gehört und wer nicht. Westen gegen Osten. Woke gegen konservativ. Links gegen rechts. Babyboomer gegen Millenials. Männer gegen Frauen, Moslems gegen Juden und umgekehrt, Batman gegen Superman, Justice League gegen Asgaard, Paw Patrol gegen Terrorkätzchen (wer kommt auf so einen Namen???).

Meine Schlussfolgerung für diesen kleinen Ausritt in die Prärie des Reframings lautet daher: schau mal, wo und mit wem Du eine gemeinsame Sprache teilst. Und lass mich unbedingt in den Kommentaren wissen, was dieser Perspektiv-shift Dir bietet! 

3 Antworten

  1. Dazu möchte ich gerne als weiterführenden Denkanstoß schlicht den von mir sehr geschätzten Herrn Eidenschink zitieren:
    „(…) An der Stelle kann man kurz innehalten und sich vor Augen führen, wie sehr in der Beratungsliteratur permanent Ideen gesucht und vorgestellt werden, wie Change ohne Konflikt, ohne Widerstand, mit Begeisterung und dem Engagement aller gelingen könnte.9 Die Annahme, der Abschied vom Bestehenden und das Einverständnis mit dem Neuen könnten im sozialen Kontext und in der Psyche der beteiligten Personen ohne Konflikte vonstattengehen, erscheint also schon mit dem Verweis auf die Evolution als fragwürdig.10
    Wenn ein Konflikt eine Funktion von Veränderung ist,11 dann muss er uns Menschen weder gefallen12 noch uns guttun. Der Konflikt ist dann etwas, mit dem wir – so wie mit dem Wetter – zurechtkommen müssen. Es ist eine Folge der christlichen Sicht vom Menschen als »Krone der Schöpfung«, dass sich die Annahme verbreitet hat, die Welt sei so gebaut, dass sie auf uns abgestimmt wäre bzw. wir sie so bauen könnten, dass es für die Welt wie für uns gut ist. Nietzsche war einer der ersten, die diese Annahme infrage gestellt haben:

    »In irgendeinem abgelegenen Winkel des in zahllosen Sonnensystemen flimmernd ausgegossenen Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Thiere das Erkennen erfanden. Es war die hochmüthigste und verlogenste Minute der ›Weltgeschichte‹: aber doch nur eine Minute. Nach wenigen Athemzügen der Natur erstarrte das Gestirn, und die klugen Thiere mussten sterben. – So könnte Jemand eine Fabel erfinden und würde doch nicht genügend illustrirt haben, wie kläglich, wie schattenhaft und flüchtig, wie zwecklos und beliebig sich der menschliche Intellekt innerhalb der Natur ausnimmt; es gab Ewigkeiten, in denen er nicht war; wenn es wieder mit ihm vorbei ist, wird sich nichts begeben haben.«13

    Gewinnt man also etwas denkerischen Abstand zur »menschlichen« Perspektive, dann wachsen auch die theoretischen Freiheiten, über die Funktion von Konflikten nachzudenken. Üblicherweise werden Konflikte als etwas angesehen, das von Menschen hervorgerufen und gemacht wird – und nicht nur unter ihrer Beteiligung stattfindet. Aber warum sollten Wesen, die Konflikte nicht mögen, um alles in der Welt gleichzeitig diejenigen sein, die sie ununterbrochen hervorrufen? Klar kann man dafür Gründe konstruieren: die aggressive Natur des Menschen, seinen Hang zum Neid, seine Fähigkeit zur Kränkung und Beschämung, seine Neigung zu gegensätzlichen Identitätsbildungen – die Liste der vermeintlichen oder möglichen Merkmale der menschlichen Natur, die zu Konflikten führt, ist fast endlos. Wieso sollten sich solche »Merkmale« in der Evolution durchsetzen und erhalten? Warum können wir nicht ewigen Frieden haben und im Konsens und im Miteinander Probleme lösen?
    Eine erste Antwort darauf wäre, dass Konflikte nicht von Menschen gemacht sind, sondern Folge einer dynamischen Welt sind. Unsere Welt entsteht ständig neu, ist im Fluss und sorgt gleichzeitig dafür, dass in diesem ständigen Fluss etwas Stabiles bleibt und damit Ordnung entsteht.14 Wenn alles Stabile in der Welt durch dynamische Prozesse erzeugt wird, dann ist alles Stabile in dem Moment dem Zerfall ausgesetzt, wenn die zugrundeliegende Aktivität aufhört oder konflikthaft wird. (Soziale) Ordnung besteht auf Zeit, sie ist immer gefährdet, sie ist immer auch anders möglich.(…)“ (Die Kunst des Konflikts, Klaus Eidenschink, 2023)
    Mag vor allem das Nietzsche-Zitat.

  2. Modern Talking был немецким дуэтом, сформированным в 1984 году. Он стал одним из самых ярких представителей евродиско и популярен благодаря своему неповторимому звучанию. Лучшие песни включают „You’re My Heart, You’re My Soul“, „Brother Louie“, „Cheri, Cheri Lady“ и „Geronimo’s Cadillac“. Их музыка оставила неизгладимый след в истории поп-музыки, захватывая слушателей своими заразительными мелодиями и запоминающимися текстами. Modern Talking продолжает быть популярным и в наши дни, оставаясь одним из символов эпохи диско. Музыка 2024 года слушать онлайн и скачать бесплатно mp3.

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